„Wir bieten unsere Freundschaft an“ „Persischer Bibelkreis“ der Gemeinde St. Martin stellt sich der Landessynode vor

Der Begriff klingt programmatisch, ist aber auch sehr abstrakt. „Missionarisch Kirche“: So lautet das Leitmotiv der evangelischen Landessynode, deren 108 Mitglieder noch bis Donnerstag in Schwabach tagen. Aber was heißt das konkret?
Am Dienstag wurden in mehreren Workshops beispielhafte Projekte vorgestellt, darunter eines aus Schwabach: der „Persische Bibelkreis“ der Kirchengemeinde St. Martin.

SCHWABACH — Zur Erfrischung gibt es Safranwasser und Sohan, eine persische Spezialität aus Pistazien und Nüssen. Kulinarisches Kontrastprogramm im Evangelischen Haus. Und auch kulturell hat die Kirchengemeinde St. Martin vor drei Jahren eine Bereicherung erfahren. Seit 2015 gibt es den „Persischen Bibelkreis“ mit Christen aus dem Iran und Irak. Jeden Sonntagabend zwischen 18 und 20 Uhr treffen sich die etwa 15 bis 20 Teilnehmer im Evangelischen Haus zum Bibelunterricht. Einmal im Monat findet ein Tau-Gottesdienst statt, der per Handyapp ins Persische übersetzt wird.
Geleitet wird der Kreis von zwei Ehepaaren: von Gabi und Klaus Trinks, sonst zuständig für den Mesnerdienst, sowie von Caroline Liebe-Esmi und ihrem Mann Erfan Esmi. „Ich bin seit acht Jahren im Glauben“,berichtet Erfan Esmi den Synodenmitgliedern. Das ist seine Umschreibung für etwas, was es im Iran eigentlich gar nicht geben darf: Erfan Esmi konvertierte zum Christentum. „Aufgewachsen bin ich in einer moslemischen Familie“, erzählt er. Intensiv habe er sich aber auch mit den anderen Religionen befasst — und wurde zum überzeugten Christen. Die Vergebung durch den liebenden Gott gebe eine Sicherheit „wie sonst keine andere Religion“, erklärt er.

„Wenn man das für sich behält, geht es“, sagt Erfan Esmi. Aber er wollte seinen neuen Glauben leben. Offen ist das im Iran kaum möglich. Also schloss er sich einem Hauskreis an, der sich nur „im Untergrund“ treffen konnte. Als dessen Mitglieder in der Nachbarschaft Flugblätter mit christlichem Inhalt verteilten, wurde es gefährlich. „Zwei von uns wurden verhaftet“, berichtet er. Und auch er selbst wurde von der Polizei gesucht. „Ich hatte große Angst“, blickt er zurück. Zuflucht gefunden hat er in Deutschland. Hier hat er sich ein neues Leben aufgebaut. Sein Asylantrag ist anerkannt, er hat geheiratet, macht zurzeit seinen Meister als Kfz–Mechatroniker und — engagiert sich in der Kirche. Endlich frei und ohne Todesangst.
Menschen wie Erfan Esmi zu unterstützen ist für das Ehepaar Trinks eine Selbstverständlichkeit. Dabei verstehen sie sich nicht als Bibel-Nachhilfelehrer. „Wir bieten unsere Freundschaft an. Die Liebe Gottes drängt mich dazu“, sagt Gabi Trinks. „Persönliche Beziehungen sind ganz wichtig“, ergänzt ihr Mann Klaus. „Der Iran ist eine Schamkultur. Von sich aus gehen sie kaum auf Leute zu.“ Für ihn eine Motivation, als Gemeindemitglied Türen zu öffnen. „Inzwischen sind Freundschaften entstanden“, freut sich Gabi Trinks. Zehn Mitglieder engagieren sich ehrenamtlich im Mesner- und Hausmeisterdienst. „Die sind voll integriert.“
Es gibt aber auch andere Erfahrungen. „Wir werden auch mit Lügen konfrontiert“, berichtet Caroline Liebe-Esmi. Manche Flüchtlinge erhofften sich Vorteile, wenn sie sich als Christen bezeichnen. Seit vergangenem Jahr sitzen zwei ehemalige Mitglieder sogar im Gefängnis. „Leider hat sich deshalb ein neuer Arbeitszweig ergeben: Gefängnisbesuche“, berichtet Gabi Trinks. „Auch wenn wir ihr Verhalten nicht billigen, wir wollen sie nicht alleine lassen und ihnen zeigen, dass Jesus auch in dunklen Stunden bei ihnen ist.“
GÜNTHER WILHELM
(Schwabacher Tagblatt, 18. April 2018)
Foto: Günther Wilhelm